Anja
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Studium finanzieren

Ein Studium ist nicht ganz preiswert. Es fallen Studiengebühren an, du benötigst eine Unterkunft in der Nähe, Geld für Essen und Kleidung – aber auch eine gewisse technische Grundausstattung, wie zum Beispiel ein Laptop, ist oftmals erforderlich. Nicht jeder, der studieren möchte, hat den hierfür erforderlichen finanziellen Background. Manchmal helfen die Eltern und greifen unter die Arme. Unter Umständen möchtest du deine Eltern aber nicht finanziell belasten. Es gibt jedoch noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, um ein Studium zu finanzieren. So gibt es Stipendien, Studienkredite, die staatliche BAföG Förderung oder eine Mischung aus unterschiedlichen Dingen. Ein Studium finanzieren ohne BAföG und Eltern? Wir geben dir nachfolgend einen Überblick, wie du dein Studium ohne BAföG und ohne finanzielle Unterstützung der Eltern stemmen kannst.

Studium finanzieren mit BAföG

Eine Finanzierungsmöglichkeit für ein Studium ist das Fördergeld nach dem BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz). Dabei handelt es sich genau genommen um ein staatliches Darlehen, das sich aus den folgenden beiden Teilen zusammensetzt:

  • 50 % des Zuschusses ist rückzahlungsfrei und wird dir sozusagen geschenkt
  • 50 % ist ein unverzinstes Darlehen und muss zurückgezahlt werden

Anders ausgedrückt heißt das, dass du die eine Hälfte der Finanzierung nicht zurückzahlen musst. Allerdings musst du bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Diese lauten:

  • Das Studium muss förderungsfähig sein
  • Du darfst nicht älter als 30 Jahre bei Beginn des Bachelors sein
  • Bei einem Masterstudium darfst du nicht älter als 35 Jahre sein
  • Das Einkommen der Eltern darf einen gewissen Betrag nicht überschreiten
  • Deine eigene Hinzuverdienstgrenze liegt außerhalb der Ferien bei 450 € im Monat
  • Du darfst kein Vermögen von mehr als 7500 € besitzen

Der BAföG Höchstsatz errechnet sich aus deinen Kosten für den Grundbedarf sowie der Miete, die während deiner Studienzeit anfällt. Lebst du noch bei deinen Eltern, dann gibt es eine Pauschale. Wenn du ein Kind hast, kannst du zusätzlich einen Kinderbetreuungszuschlag erhalten. Vor Auszahlung des BAföGs wird ermittelt, wie hoch das Einkommen deiner Eltern oder deines Lebenspartners ist und dieses reduziert unter Umständen deinen Zuschuss.

Wenn du nicht familienversichert bist, weil du zum Beispiel über 25 Jahre alt bist, oder auch, weil deine Eltern bei einer privaten Versicherung versichert sind, erhältst du zusätzlich einen Zuschlag für eine Pflege- und Krankenversicherung. Dieser Zuschlag beträgt aktuell 109 €. Das BAföG berechnet sich im Winter-Semester 2019/2020 (im Sommersemester 2020 werden sich diese Werte vermutlich erhöhen) folgendermaßen:

  • Grundbedarf: 419 €
  • Pauschale für das Wohnen: 325 €
  • Zuschlag für die Pflege- und Krankenversicherung: 109 €
  • BAföG Höchstsatz: 853 €

Wenn du ein Kind hast, kannst du je Kind 140 € Zuschlag für die Kinderbetreuung geltend machen. Bei Studierenden, die noch in der Wohnung der Eltern leben, gibt es statt der Pauschale für das Wohnen einen Zuschlag in Höhe von 55 €. Zuschläge werden prinzipiell nur auf Nachweis und bei Bedarf ausgezahlt.

Studium finanzieren ohne BAföG

Ein Studium finanzieren ohne BAföG? Geht dies? Es gibt Studenten, die die Voraussetzungen für BAföG nicht erfüllen und das Studium selbst finanzieren. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel ein Studienkredit. Einige Eltern haben beispielsweise aber auch das nötige Kleingeld, um die Finanzierung selber zu stemmen. In solch einem Fall gibt es dann auch keinen Anspruch auf BAföG. Oder du erfüllst andere Voraussetzungen nicht, weil du zum Beispiel eigenes Vermögen besitzt oder bereits so viel eigenes Geld verdienst, dass du ebenfalls nicht in den Genuss der Förderung kommst.

Wenn die finanzielle Unterstützung fehlt, ist es gar nicht so selten, dass ein Studium nicht angefangen oder später abgebrochen wird. Das muss allerdings nicht sein, denn es ist möglich ein Studium mit anderen Mitteln und auf andere Wege zu finanzieren, auch ohne BAföG oder elterliche Unterstützung. Ein Studium finanzieren ohne Eltern oder BAföG ist dank der folgenden Tipps möglich:

Tipp 1: Studienkredit

Anders als gewöhnliche Kredite musst du für einen Studienkredit kein hohes Einkommen besitzen. Oft werden Studienkredite auch in der Abschlussphase des Studiums genutzt, wenn zum Beispiel mehr Zeit benötigt wird und du nicht mehr arbeiten kannst. Aber auch dann, wenn es darum geht, ein Auslandssemester zu finanzieren, wenn du keine Energie für einen Job hast, wenn du an deiner Bachelor Arbeit sitzt oder wenn deine Regelstudienzeit überschritten ist, eignet sich ein Studienkredit sehr gut.

Ein großer Anteil der Studenten kommt erst gar nicht in den Genuss einer BAföG Förderung – das haben auch die Finanzinstitute erkannt und haben alternative Finanzierungsmodelle entwickelt. Diese werden Studienkredit oder Studentenkredit genannt. Besonders bekannt für solche Kredite ist die Deutsche Bank, bei der es seit 2005 Darlehen für Studenten gibt. Diesem Beispiel sind andere Banken gefolgt, wie zum Beispiel auch die öffentliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Ein Studienkredit unterscheidet sich von gewöhnlichen Krediten durch seine niedrig angesetzten Zinsen. Trotzdem lohnt sich ein Vergleich, im Internet gibt es zahlreiche Vergleichsrechner, die du hierfür nutzen kannst. Selbst die Kreditvergabe erfolgt heute online. Während sich der KfW Kredit vor allem an Studenten in niedrigen Semestern wendet, wodurch sich mit solch einem Darlehen das gesamte Studium finanzieren lässt, gibt es andere Angebote, die sich ausschließlich auf den Abschluss und somit auf die Endphase fokussieren.

Beim KfW Kredit beträgt die Höchstsumme der monatlichen Auszahlung 650 €. Über maximal zehn Semester wird das Darlehen ausgezahlt und nach dem Studienende gibt es eine 23 Monate lange rückzahlungsfreie Phase. Das Darlehen wird im Anschluss über 25 Jahre zurückbezahlt, die Ratenhöhe kannst du hierbei flexibel vereinbaren.

Eine Alternative für den KfW Kredit ist der „dbStudentenKredit“ der Deutschen Bank. Die Darlehenshöhe beträgt monatlich zwischen 200 und 800 € und ist vom jeweiligen Semester abhängig. Wie lang die monatliche Zahlungsphase andauert, hängt davon ab, wie hoch du die monatliche Unterstützung wählst. Die Darlehenslaufzeit beträgt mindestens 18 Monate und maximal 15 Jahre. Während der einjährigen Berufseinstiegsphase ist das Darlehen rückzahlungsfrei – die Tilgung muss innerhalb von zwölf Jahren geschehen.

Tipp 2: Stipendium

Im Unterschied zum BAföG musst du ein Stipendium nicht zurückzahlen, daher ist es eine sehr beliebte Alternative. Des Weiteren bringt ein Stipendium für dich auch einen ideellen Aspekt mit sich, denn viele Stipendien werden leistungsabhängig vergeben. Um ein Stipendium zu erhalten, musst du allerdings nicht zu den Topschülern gehören, sondern bei der Vergabe werden auch dein Antrieb und deine Entwicklung berücksichtigt. So gibt es zum Beispiel das sogenannte „Deutschland Stipendium“, das ein Stipendium für alle ist. Zumindest wird dies so von den Förderern beschrieben.

Etwa 2000 Institutionen vergeben in Deutschland Stipendien, darunter sind auch viele lokal und regional verankerte Stipendiengeber sowie Begabtenförderungswerke. Bei einem Stipendium erhältst du entweder monatlich oder einmalig einen Geldbetrag, den du frei für dein Studium verwenden darfst. Zusätzlich gibt es Stipendien in Form einer ideellen Förderung oder von geldwerten Leistungen, wie beispielsweise Mentorenprogramme oder Seminare.

Am bekanntesten ist sicherlich das Deutschlandstipendium. Monatlich erhältst du 300 € während deiner Studienzeit. Um im Genuss dieses Stipendiums zukommen, musst du die folgenden Kriterien erfüllen:

  • Immatrikulierung an einer anerkannten Hochschule
  • Bestimmte Durchschnittsnoten im Abitur und Qualifikationen und Einzelnoten für das gewählte Studienfach
  • Bei immatrikulierten Studenten musst du deine bislang erbrachte Studienleistung mit den ECTS-Punkten, einer Orientierungs- oder Zwischenprüfung oder einem Vordiplom belegen. Befindest du dich bereits im Master, wird die Abschlussnote des vorausgegangenen Studiums berücksichtigt.
  • Besonderes Potenzial, das belegt wird durch Preise und Auszeichnungen, Praktika, eine vorausgegangene Berufsausbildung oder durch außerschulisches Engagement, zum Beispiel durch die Pflege naher Angehöriger.

Die Bewerbung für das Deutschlandstipendium läuft unterschiedlich ab. Manchmal reicht ein einfaches Formular, andere Unis verlangen ein aufwändiges Auswahlverfahren. In der Regel läuft die Bewerbung über ein Onlineformular und du wirst aufgefordert noch weitere Dokumente einzureichen, wie zum Beispiel deinen Lebenslauf. Ein persönliches Auswahlgespräch ist nicht üblich, die Entscheidung erfolgt über eine Auswahlkommission und du erhältst entweder eine Zu- oder Absage.

Tipp 3: Studentenjob

Viele Studenten haben einen Nebenjob und finanzieren damit ihr Studium. Manche haben sogar zwei Jobs und mehr und gleichzeitig auch noch eine Familie. Dies zu stemmen ist eine große Herausforderung, aber auch nicht unüberwindbar.

Hier eine Übersicht der besten Studienjobs.

Tipp 4: Hartz IV oder Arbeitslosengeld

Wenn du in Teilzeit studierst, kannst du auch dein Studium mit Hartz IV finanzieren, zum Beispiel dann, wenn du ein Kind hast und alleinerziehend bist. Hast du im Vorfeld bereits für mindestens zwölf Monate gearbeitet, kannst du auch Arbeitslosengeld I erhalten. Voraussetzung ist allerdings, dass der Job sozialversicherungspflichtig war. Außerdem musst du mindestens für 15 Stunden in der Woche dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und somit bereit sein, einen Job einzugehen. Das ist dann der Fall, wenn du ein Teilzeitstudium absolvierst.

Tipp 5: Wohngeld

Beim Wohngeld handelt es sich um einen Mietzuschuss, den du nicht zurückzahlen musst. Auch Studenten haben einen Wohngeldanspruch. Voraussetzung für den Bezug von Wohngeld ist, dass du oder ein Mitglied in deinem Haushalt kein BAföG beziehen.

Tipp 6: Kindergeld und Kinderzuschlag

Bis zum 25. Lebensjahr wird den Eltern von Auszubildenden, zu denen du als Student auch zählst, Kindergeld gezahlt. Seit Juli 2019 beträgt das Kindergeld für das erste Kind 204 €, für das zweite 210 € und für das dritte Kind und jedes weitere 235 €. Du kannst  bei der Familienkasse beantragen, dass das Kindergeld statt an deine Eltern sofort an dich ausgezahlt wird. Zusätzlich zum Kindergeld kann auch ein Kinderzuschlag gewährt werden. In diesem Fall dürfen deine Eltern bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten.

Müssen Eltern Studium finanzieren?

Eltern müssen nach dem § 1610 II Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ihren Kindern eine Vorbildung finanzieren. Dabei kann es sich um eine Ausbildung oder um ein Studium handeln. Ein weiteres Studium nach einer bereits absolvierten Ausbildung müssen Eltern hingegen nicht finanzieren, denn mit der ersten Ausbildung ist es dir möglich, dein eigenes Geld zu verdienen.

In Ausnahmefällen können Kinder von den Eltern aber auch eine weitere Berufsausbildung bzw. die Kostenübernahme derselben verlangen. Hierfür gibt es strenge Auflagen, zum Beispiel kannst du verlangen, dass dein Studium von deinen Eltern bezahlt wird, wenn du deinen ersten erlernten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht ausüben kannst.

Eine weitere Pflicht zur Zahlung eines Studiums gibt es dann, wenn du nach dem Abitur zuerst eine Ausbildung absolviert hast und dein Studium in dessen Folge beginnst. Die Ausbildung und dein Studium müssen allerdings aufeinander aufbauen und sich sinnvoll ergänzen. Ein Beispiel hierfür ist zum Beispiel eine Lehre als Krankenschwester und darauf aufbauend ein Medizinstudium. Beides – Lehre und Studium – müssen in einem engen zeitlichen Zusammenhang stehen.

Studium finanzieren über 25 Jahre

Solange du deine Ausbildung noch nicht abgeschlossen hast, hast du Anspruch auf Kindergeld, allerdings darfst du das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Somit kannst du dein Studium bis zu diesem Alter mit Kindergeld finanzieren. Es gibt allerdings einige Ausnahmeregelungen, sodass du mit Kindergeld dein Studium auch über 25 Jahre finanzieren kannst.

Dazu zählen:

  • freiwilliger Wehrdienst bis zu maximal drei Jahre
  • Tätigkeit als Entwicklungshelfer

Die Zeiten, die du für diese Tätigkeiten verbracht hast, kannst du dir als Student anrechnen lassen. Sie verlängern deinen Anspruch auf Kindergeld nach dem vollendeten 25. Lebensjahr.

Reicht diese Unterstützung nicht, kannst du zudem deine Haushaltskasse aufstocken, indem du nebenbei arbeiten gehst. So kannst du zum Beispiel während der Semesterferien eine Tätigkeit aufnehmen oder dir als Werkstudent das Geld für dein Leben dazuverdienen. Eine weitere Möglichkeit ist ein 450 € Job.

Studium finanzieren über 30 Jahre

Bei vielen Förderungen für Studenten ist der 30. Geburtstag eine wichtige Grenze. Dies gilt beim BAföG, bei der studentischen Krankenversicherung oder bei verschiedenen Studienkrediten. Wenn du mit 30 Jahren dein Studium beginnst, erhältst du unter Umständen kein BAföG mehr. Allerdings gibt es hierfür einige Ausnahmen.

Mit deinem 30. Geburtstag wird die Pflege- und Krankenversicherung deutlich teurer. Nur wenn du dein BAföG über diesen Zeitpunkt weiterhin erhältst, gibt es hierfür eine Ausnahmeregelung. Die höheren Kosten werden seit einer Änderung mit dem Wintersemester 2019/20 für ältere Studenten vom BAföG übernommen.

Seit Oktober 2010 kannst du bei einem Masterstudiengang BAföG auch dann beantragen, wenn du bei Beginn des Studiums noch keine 35 Jahre alt warst. Sogar ein höheres Alter ist möglich, wenn du bestimmte Ausnahmeregelungen erfüllst.

Fazit: Es gibt Alternativen zum Studium finanzieren ohne BAföG

Zum Studium finanzieren ohne BAföG gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel über Wohngeld, Kindergeld oder sogar Hartz IV oder dem Arbeitslosengeld. Die meisten Studenten werden allerdings ihr Studium über ein Stipendium, einen Studienkredit oder über Nebenjobs finanzieren.

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