Anja
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Das elternunabhängige Bafög – alles, was Du wissen musst

Ob ein/e Studierende/-r BAföG erhält oder nicht, hängt für gewöhnlich vom Einkommen und vom Vermögen der Eltern ab. Verdienen die Erziehungsberechtigten genug, um die Ausbildung des Schützlings zu finanzieren, muss auf die finanzielle Unterstützung durch den Staat verzichtet werden.

Neben dem „klassischen“ BAföG gibt es aber noch das elternunabhängige BAföG. Was es mit diesem auf sich hat, wer den Zuschuss erhält und wie Du diesen beantragst, liest Du in den folgenden Abschnitten.

Elternunabhängiges BAföG = losgelöst von den Finanzen der Erziehungsberechtigten

 

Eltern sind ihrem Kind gegenüber unterhaltspflichtig. Und zwar auch dann noch, wenn dieses bereits die Volljährigkeit erreicht hat: Mit dem Erreichen des 18. Lebensjahrs gehen für eine Person zwar dieselben Rechte und Pflichte wie für jeden anderen Erwachsenen einher, allerdings stehen nur wenige junge Erwachsene finanziell auf eigenen Beinen.

Das heißt aber natürlich nicht, dass die Erziehungsberechtigten den Nachwuchs bis in alle Zeiten „durchfüttern“ müssen. Vielmehr gilt die Unterhaltspflicht laut Gesetz bis zum Abschluss einer ersten Ausbildung – ob Berufsausbildung oder Studium. Reichen die Einkünfte des Elternpaars nicht aus, um das Studium o.Ä. inklusive WG-Zimmer und Lebensunterhaltungskosten zu finanzieren, dann kommt das „herkömmliche“ BAföG zum Einsatz.

 

  • Hinweis: Eltern sind nicht dazu verpflichtet, das Langzeitstudium ihres Kindes finanziell zu sichern. In dieser Hinsicht ist die Regelstudienzeit eine maßgebende Zahl.

 

Wie diese Erläuterungen bereits vermuten lassen, kommt die elternunabhängige Förderung insbesondere dann infrage, wenn die erste Ausbildung bereits abgeschlossen wurde und man sich nachträglich für ein Studium oder eine zweite Ausbildung entscheidet.

Aber kann jeder die spezielle Form des BAföG beantragen? Der nächste Abschnitt befasst sich mit den Voraussetzungen für den Erhalt der Finanzierungshilfe durch den Staat.

 

  • Merke: Das elternunabhängige BAföG (BAföG kurz für Bundesausbildungsförderungsgesetz) wird losgelöst von den Erziehungsberechtigten gezahlt.

 

In diesen Fällen kannst Du das spezielle BAföG beantragen

 

Um zu prüfen, ob Du elternunabhängiges BAföG beantragen kannst, musst Du zunächst klären, ob Du die allgemeinen Voraussetzungen für die Finanzierunghilfe erfüllst (beachte u.a. den BAföG-Freibetrag). Wenn ja, steht Dir das spezielle „Studiengeld“ in bestimmten Ausnahmefällen zu:

 

  • Du besuchst ein Kolleg oder ein Abendgymnasium.
  • Du bist zu Beginn der Ausbildung 30 Jahre alt oder älter.
  • Vor der Aufnahme des zu fördernden Ausbildungsabschnitts warst Du bereits fünf Jahre erwerbstätig.
  • Du hast bereits eine dreijährige berufsqualifizierende Ausbildung absolviert und warst daraufhin drei Jahre erwerbstätig.
  • Deine Eltern leben im Ausland und sind daran gehindert, Unterhalt in Deutschland zu zahlen.
  • Du hast keinen Kontakt zu Deinen Eltern bzw. kennst nicht deren Aufenthaltsort.

 

  • Hinweis: Was diese Ausnahmefälle im Einzelnen bedeuten bzw. was Du jeweils beachten musst, liest Du in den nächsten Abschnitten.

 

Finanzielle Hilfe für den zweiten Bildungsweg

 

Hast Du lediglich einen mittleren Bildungsabschluss erworben, nach diesem eine Lehre absolviert und hast Du Dich nun dazu entschieden, Dein Abitur nachzuholen (an einem Kolleg oder einem Abendgymnasium), steht Dir das spezielle BAföG zu. Solltest Du im Anschluss an diesen zweiten Bildungsweg ein Studium absolvieren wollen, musst Du allerdings das reguläre BAföG beantragen. Es sei denn, eine der anderen Ausnahmen (s.o.) trifft auf Dich zu.

 

Elternunabhängiges BAföG bei ü30

 

Personen, die bei der Aufnahme eines Bildungsabschnitts bereits das 30. Lebensjahr vollendet haben, werden für gewöhnlich nicht mit BAföG unterstützt (die Grenze für einen Bachelorstudiengang liegt bei 30 Jahren, die bei einem Masterstudium bei 35 Jahren). Anders sieht das aus, wenn Du die im Bundesausbildungsförderungsgesetz § 10 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 bis 4 festgelegten Ausnahmen erfüllst. Hierzu zählen persönliche und familiäre Gründe, die Dich an der Aufnahme eines Studiums gehindert haben. Das können u.a. die ununterbrochene Erziehung eines (eigenen) Kindes und die Bedürftigkeit aufgrund von massiven Veränderungen in den persönlichen Verhältnissen sein. In diesen und weiteren Fällen steht Dir das elternunabhängige BAföG auch dann zu, wenn Du über 30 Jahre alt bist.

 

  • Wichtig: Die in diesem Abschnitt genannten Ausnahmeregelungen greifen nur, wenn Du umgehend nach dem Wegfall des Hinderungsgrunds mit dem Studium beginnen möchtest.

 

Elternunabhängiges BAföG für Berufserfahrene

 

Wenn Du nach dem Erreichen der Volljährigkeit bereits fünf Jahre erwerbstätig warst, geht der Staat davon aus, dass Du nicht mehr auf das Geld Deiner Eltern angewiesen bist; warst Du während der Berufstätigkeit dazu in der Lage, eigenständig für Deinen Lebensunterhalt aufzukommen, steht Dir das elternunabhängige BAföG zu. Das gilt auch, wenn Du eine dreijährige berufsqualifizierende Ausbildung abgeschlossen und darauf aufbauend mindestens drei Jahre lang gearbeitet hast. Beachte, dass der Bundesfreiwilligendienst sowie ähnliche Dienste diesbezüglich angerechnet werden können.

 

Wenn die Eltern nicht fördern (können)

 

Wie bereits aufgezeigt, gibt es weitere legitime Gründe, das elternunabhängige BAföG zu beantragen. So beispielsweise, wenn Deine Eltern daran gehindert sind, hierzulande Unterhalt zu zahlen oder wenn Du keinen Kontakt zu ihnen hast bzw. ihren Aufenthaltsort nicht kennst. In diesen und weiteren Fällen (wenn Du Vollwaise bist, …) greifen bestimmte Regelungen (z.B. § 11 Abs. 2a), damit Dich der Staat finanziell unterstützen kann.

Ein möglicher Grund, warum Eltern, die nicht in Deutschland leben, keinen Unterhalt zahlen können, ist übrigens eine politische Verfolgung in ihrem Heimatland.

 

Elternunabhängiges BAföG Antrag

 

Die gute Nachricht: Du musst das spezielle BAföG nicht gesondert beantragen. Stattdessen füllst Du den herkömmlichen BAföG-Antrag (Formblatt 1) aus, woraufhin das zuständige Amt die Bedingungen, sprich: Deine Voraussetzungen (Alter, bisherige Ausbildungen, finanzielle Lage etc.) prüft.

 

  • Wichtig: Zusätzlich zum Antrag musst Du beim BAföG-Amt die auf Deinen Fall zutreffenden Nachweise (Einkommensbescheinigung u.Ä.) einreichen. Das in diesem Zusammenhang wichtige Dokument trägt den Titel Formblatt 3.

 

Mit welchem Betrag kannst Du rechnen?

 

Wie hoch der Betrag beim elternunabhängigen BAföG in Deinem Fall ist, hängt von verschiedenen Faktoren, wie Deinem Wohnort ab und kann somit nicht pauschal beantwortet werden. Der monatliche Höchstsatz für Studierende beträgt 861 Euro. Darüber hinaus können die Kranken- und die Pflegeversicherung mit bis zu 109 Euro bezuschusst werden.

 

  • Hinweis: Möchtest Du vor der Beantragung wissen, mit wie viel Geld Du rechnen kannst, informiere Dich beim zuständigen Amt bzw. bei der entsprechenden Beratungsstelle Deiner Hochschule o.Ä.

 

Die Beantragung lohnt sich!

 

Zugegeben: Die Beantragung des Förderungsgeldes kann anstrengend sein und macht gewiss keinen Spaß. Getreu dem Motto Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul lohnt es sich aber allemal, die „Formalschlacht“ hinter sich zu bringen. Du bekommst zwar nicht den vollen Betrag geschenkt, musst aber auch nicht mehr als 50 Prozent des erhaltenen BAföG zurückzahlen. Dementsprechend ist das Förderungsmittel eine Symbiose aus Darlehen und Zuschuss, wobei der erstgenannte (unverzinste) Teil erst nach fünf Jahren zurückgezahlt werden muss. Und zwar höchstens mit einer Summe von 10.010 Euro – selbst, wenn Du während Deiner Ausbildung mehr „Darlehen“ vom Staat erhalten hast.

 

  • Zusatzwissen: Sämtliche Antragsteller, die nicht vor September 2019 gefördert wurden, fallen unter den sogenannten 77-Raten-Erlass. Konkret bedeutet das, dass Dir nach der Rückzahlung von 77 Raten mit einer jeweiligen Höhe von mindestens 42 und höchstens 130 Euro sämtliche Schulden erlassen werden.

 

Das Thema auf einen Blick

 

In diesem Abschnitt findest Du die wichtigsten Punkte in Bezug auf das elternunabhängige BAföG noch einmal übersichtlich zusammengefasst:

 

  • Es gelten bestimmte Voraussetzungen, unter denen das spezielle Förderungsgeld gewährt wird.
  • Das elternunabhängige BAföG wird auf demselben Weg beantragt, wie das „klassische“ BAföG.
  • Der Höchstsatz für Studierende beträgt 861 Euro im Monat.
  • Die Höhe im Individualfall hängt von verschiedenen Faktoren ab.
  • Das (elternunabhängige) BAföG muss nach fünf Jahren Stück für Stück zur Hälfte zurückgezahlt werden.

 

FAQ – Frequently Asked Questions

 

Nun weißt Du alles, was Du zum elternunabhängigen BAföG wissen musst. Abschließend findest Du die Antworten auf einige häufig gestellte Fragen zum Thema.

 

Was ist elternunabhängiges BAföG?

 

Beim BAföG gilt normalerweise das Prinzip der familienabhängigen Förderung: Das Einkommen der Eltern ist dafür entscheidend, ob eine Person die Förderung erhält oder nicht. Beim elternunabhängigen BAföG handelt es sich sozusagen um eine Ausnahme. Das heißt: Es gibt bestimmte Umstände, unter denen Studierende o.Ä. die staatliche Förderung bekommen, ohne dass die Finanzen der Eltern relevant sind.

 

Wann bekommt man elternunabhängiges BAföG?

 

Bei der speziellen Form der finanziellen Förderung gelten allgemein die gleichen Voraussetzungen wie beim herkömmlichen BAföG. Zusätzlich musst Du Dich auf dem zweiten Bildungsweg befinden oder eine andere Bedingung (s.o.) erfüllen.

 

Wie bekomme ich elternunabhängiges BAföG?

 

Du beantragst die Förderung mittels dem entsprechenden Formular beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung.

 

Wann sollte ich  elternunabhängiges BAföG beantragen?

 

Um die finanzielle Sicherheit während des Studiums o.Ä. zu gewährleisten, solltest Du das elternunabhängige BAföG bereits einige Monate vor dem Ausbildungsbeginn beantragen. Das zuständige Amt teilt Dir dann zeitnah mit, ob Du die Voraussetzungen erfüllst.

 

Was gilt für Sonderfälle?

 

Was, wenn Deine Eltern nicht mehr unterhaltspflichtig sind und Du nur ganz knapp an den Voraussetzungen für das elternunabhängige BAföG vorbeischrammst? Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn Du nach einer dualen Ausbildung nicht – wie notwendig – drei Jahre, sondern lediglich zweieinhalb Jahre berufstätig warst.

In solch einem und ähnlichen Fällen empfiehlt es sich dennoch, das elternunabhängige BAföG bzw. sogenannte Vorausleistungen (Formblatt 8) zu beantragen. Diese stehen Dir u.a. auch dann zu, wenn Deine Eltern zwar unterhaltspflichtig sind, sich jedoch weigern, mit Dir zu „kooperieren“: Du erhältst die Vorausleistungen, während das zuständige Amt versucht, Deine Erziehungsberechtigten in die Pflicht zu nehmen.

Für eine individuelle Beratung solltest Du Dich mit dem für Dich zuständigen Sachbearbeiter beim Bafög-Amt in Verbindung setzen.

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