News / 26. April 2010 - 22:00 Uhr

Studie stellt erneut massive Missstände im Bildungssystem fest

Durchschnittsstudent

<>Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Roland Koch will von seinem Ministerpräsidentenposten und allen weiteren Ämter zurücktreten. Diese Nachricht kam völlig überraschend. Koch plant seinen Rückzug schon seit längerem. Es wurde spekuliert, dass er sich kaum weitere Karrierechancen einräumt, insbesondere, da er als parteiinterner Rivale von der fest im Sattel sitzenden Bundeskanzlerin Merkel gilt.

Die Konservativen in der CDU fürchten nun um ihr Profil, denn Koch hatte sich stehts als Landesvater mit strenger Hand präsentiert. Er überlebte eine Schwarzgeldaffäre und sogar eine Abwahl. Und er hält es für ein seltenes Privileg, von selbst gehen zu dürfen, was er am Ende seiner Rede sehr deutlich machen wollte.

Von Koch stammt der berühmte Satz: Demokratie wird im Parlament ausgeübt und nicht auf der Strasse. Er hatte in seiner Amtszeit des öfteren demokratische Teilhabe außerhalb des Parlaments delegitimiert. Seine üblichen Machttaktiken erstrecken sich von gesellschaftlicher Spaltung, dem gegeneinander Ausspielen von Gruppen, dem Schüren von Angst und dem Präsentieren als Wächter der Moral, der die Dinge sage, die einfach gesagt werden müssen. Er ließ sich gerne mit Kindern und dem Dailailama ablichten.

Während Kochs Regentschaft wurden eine Millarde Euro im Sozialwesen gekürzt, Bildungsgebühren eingeführt, Hochschulen und Schulen entdemokratisiert und zu Dienstleistungsunternehmen umgebaut und Polizei- und Überwachungsgesetze verschärft.

Das Deutsche Studentenwerk hat die 19. Sozialerhebung veröffentlicht. Diese Studie untersucht die soziale Lage von Studierenden und kommt wiederholt zu einem erschreckenden Ergebnis. Sie zeigt beispielsweise, dass an Hochschulen der AkademikerInnennachwuchs weitgehend unter sich ist. Von 100 AkademikerInnen-Kindern studieren 71, von 100 Kindern aus Familien ohne akademische Tradition studieren nur 24. Im Vergleich zur letzten Studie ist dies zwar ein leichter Rückgang von AkademikerInnenkindern, eine grundlegende Verbesserung ist jedoch nicht zu erkennen.

Studierende haben durchschnittlich in der Woche einen Zeitaufwand von 36 Stunden in der Uni abzuleisten. Durch die unzureichende Finanzierung und die daraus resultierende Notwendigkeit, neben dem Studium zu Jobben sowie den Zeitaufwand für Vor- und Nachbereitung steigert sich die Wochenarbeitszeit auf mehr als 50 Stunden. Die Studie zeigt auch, dass Studierende niedriger sozialer Herkunft verstärkt jobben müssen um anfallende Studiengebühren aufbringen zu können. „Seminare aus Interesse zu besuchen, das Aneignen einer Sprache oder der Blick über den Tellerrand werden damit verhindert,“ meint Michael Moschke, Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften.

Pressemitteilungen im Zusammenhang mit dieser News:

Links

Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung. Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion.
(Voltaire, Philosoph)