News / 13. December 2009 - 23:00 Uhr

KultusministerInnen konferierten

Tafel 5 Minus

Am 10.12.2009 fand wieder einmal die KultusminsterInnenkonferenz (KMK) statt. Dazu reisen die für Bildung zuständigen Minister aus allen Bundesländern an und beraten über Absprachen zwischen den Ländern. Dass das deutsche Bildungssystem das zweitselektivste in Europa ist, dass es inzwischen zum Flickenteppich verkommen ist und die Studierenden, SchülerInnen, LehrerInnen und Dozenten in ein enges Korsett zwingt, ist maßgeblich ein Produkt der KMK.

Grund genug also für 15.000 Menschen gegen sie und das aktuelle Bildungssystem zu demonstrieren. Mit zahlreichen Bussen und sogar mit einem Boot kamen SchülerInnen und Studierende angefahren.

Natürlich tagten die MinisterInnen wieder unter sich, von Mitsprache keine Spur. Sie ließen das Gelände abriegeln, schotten sich ab, wie sie es mit dem Zugang zur Bildung ebenfalls taten. Und schließlich verkünden sie das, was jeder ohnehin schon jeder wusste. Das Studium sei zu voll gepackt, man habe Fehler gemacht, es sei zu verschult, das werde sich ändern.

Diese späte Erkenntnis ist zwar schön, aber noch nicht weitreichend genug. Denn eine Verschulung des Studiums, die Verkürzung der Regelstudienzeit auf einen absurd kurzen Zeitraum von 6 Schmalspursemestern und das Vollpacken dieser sind doch gewollt gewesen. 8 Semester Regelstudienzeit war den KultusministerInnen doch damals viel zu lange. Und sie wollten auch ein Ende machen mit dem Studium, wie es teilweise zuvor gewesen war: die Studierenden mussten ihr Studium selbst organisieren und lernten dabei ohne Schein oder Zertifikat das Organisieren, die Kommunikation und das Entwickeln von Eigeninteresse an Fächern oder Projekten. Stattdessen dürfen sie sich in jedem Semester in die vorgeschriebenen Vorlesungen in den vorgeschriebenen Räumen durch den vorgeschriebenem Stoff ackern. Lernen ohne jede Freiheit. Und damit steht der Begriff des Studiums auf der Kippe. Und auch der Begriff der akademischen Bildung. Die Bildungspolitiker haben also mit einer Reihe von Maßnahmen im letzten Jahrzehnt die akademische Bildung eliminiert.

Warum sollte man diesen Menschen jetzt zutrauen, sie seien in der Lage das Bildungssystem zu retten? Die Verursacher der Misere ins Boot holen, die gänzlich andere Interessen haben und die im Grund gar nicht von ihrer Politik abrücken wollten, wenn sie denn nicht müssten, da es zu offensichtlich geworden ist?

Bemerkenswert ist auch, dass die KultusministerInnenkonferenz ausschließlich das Thema Bachelor/Master beachtet. Denn dadurch fallen weitere ebenfalls wichtige Themen schnell mal unter den Tisch wie zum Beispiel Studiengebühren und das dreigliedrige Schulsystem. Der Protest gegen die KMK ist also vollkommen richtig – aber man darf ihr nicht die Deutungshoheit über die Wichtigkeit der Themen überlassen.

Lehren ist nicht das Füllen eines Fasses mit Wasser, sondern das Entzünden einer Flamme.
(Heraklit, Griechischer Philosoph)