News / 10. November 2011 - 23:00 Uhr

Geleakte Dokumente zeigen: Kasernen für bis zu 200 Studierende kostengünstig bewohnbar

Anlässlich der Diskussion zur Wohnungsnot in Darmstadt wurden dem AStA der TU Darmstadt interne Dokumente zugespielt, die belegen, dass alleine in der Jefferson-Siedlung bis zu 200 Studierende ohne größere Renovierungen zeitnah unterkommen könnten.

„Wir als AStA sehen es als unsere Pflicht an, die Dokumente im Sinne einer ehrlichen Debatte zu veröffentlichen. Ins Feld geführte Scheinargumente wie fehlende Brandschutzvorkehrungen in den Kasernen werden mit den vorliegenden Dokumenten klar widerlegt“, erklärt Iris Conrad, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im AStA der TU Darmstadt.

Auf den kurzfristigen Bezug der Kasernen angesprochen, erklärte die Sozialdezernentin der Stadt Darmstadt gestern auf einer Podiumsdiskussion im AStA-Gewerbe 603qm: „Die Stadt gibt grünes Licht!“. Gleichzeitig bezichtigte sie die BImA einer unsozialen Verkaufspolitik, die sich nicht nach sozialen Kriterien, sondern nach Profit richtet. Dieser Kritik schließt sich der AStA an.

„Offiziell wollen jetzt alle das gleiche: günstigen Wohnraum für Studierende kurzfristig freigeben. Die bisherigen Handlungen von Stadt und BImA legen jedoch nahe, dass es sich vor allem um Krisenrhetorik handelt“, kritisiert Alexander Lang, Hochschulpolitischer Referent im AStA der TU Darmstadt. „Scheinbar sprechen die beiden Akteurinnen mehr über den Weg der Presse, als direkt miteinander. Den großen Worten müssen jetzt auch Taten folgen!“, fordert Lang.

Jetzt liegt es an der Stadt Darmstadt und der Bundesimmobilienanstalt (BImA), die Karten offenzulegen und einen konkreten Plan für die kurzfristige Nutzung der Kasernen als günstige Studierendenwohnungen vorzulegen.

An der Situation der Studierenden hat sich bislang nichts geändert. Inzwischen liegen dem AStA auch detaillierte Erfahrungsberichte vor, nach denen viele Studierende bis zu 60 Wohnungsbesichtigungen ohne Erfolg hinter sich gebracht haben und nun übergangsweise unter katastrophalen Bedingungen unterkommen müssen.

„Wir vertrauen Stadt und BImA nicht – noch ist nichts passiert. Wir werden den Druck erhöhen!“, kündigt Sebastian Ankenbrand vom Komitee für freie Bildung Darmstadt, mit Blick auf die kommende Demonstration am 17.11.11 in Darmstadt an.

Revolutionäre Politik ist immer auch ein Ringen um das Bewußtsein der Massen; insofern ist sie elitär, als dieses Bewußtsein zuerst von wenigen ausgebildet wird; und sie ist zugleich antielitär, als sie danach strebt, das Privileg der Minderheit aufzuheben und ihr Bewußtsein zur Jedermannsphilosophie werden zu lassen. (...) Erst wenn die Kultur der Beherrschten zur dominierenden wird, ist er Boden für die Revolution bereit. DIe Hegemonie besitzt, wer die Weltanschauung der Menschen prägt.
(Hans Heinz Holz)