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Master of Desaster?

von Fred Mohr

Der Bologna-Prozess ist nicht mehr zu stoppen. Damit ist die Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen in Deutschland gemeint. Es soll ein europäischer Hochschulraum entstehen, in dem Studierende und Hochschulabsolventen grenzüberschreitend studieren, forschen und arbeiten können. Bezeichnet wird dieses Reformvorhaben als Bologna-Prozess, benannt nach dem Tagungsort, an dem 1999 die europäischen Bildungsminister eben jenes beschlossen.

Das Studium bis zum „Bachelor“ (BA) [Sprich: Bätscheler] soll insgesamt drei Jahre dauern. Wer nach diesem Abschluss noch mehr möchte, und/oder das Geld hat, kann innerhalb von zwei Jahren den „Master of Arts“ (MA), „Master of Science“, „Master of Engineering“, „Master of Education“ oder dergleichen draufpacken. Zwischen Bachelorstudium (undergraduate) und Masterstudium (graduate) gilt es eine nicht unbeträchtliche Hürde zu nehmen: außer dem BA-Examen gehört noch eine gesonderte Zugangsprüfung sowie voraussehbar eine nicht unbeträchtliche Studiengebühr zu den Zulassungsvoraussetzungen. Kritische Stimmen weisen auf die Gefahr hin, dass in Zukunft nur wenige Studierende die Chance und die finanzielle Möglichkeit haben könnten, nach dem BA-Abschluss auch noch einen MA-Abschluss zu realisieren. Doch das soll im Folgenden egal sein, auch wenn es alles andere als egal ist. Vielleicht doch noch ein kurzes kritisches Wort, bevor es zum lustigen Teil des Artikels übergeht: Die Studienreform im Zuge des Bologna-Prozess soll zu dauerhafter Berufsfähigkeit führen und Lebensbegleitendes Lernen als Kulturauftrag und Rechtsanspruch verwirklichen. Dem widerspricht allerdings der vorherrschende technokratisch reduzierte Ansatz, ein verkürztes Erststudium (Bachelor) auf »Grundkenntnisse« und »Schlüsselqualifikationen« zu beschränken. Die Befähigung zum Lebensbegleitenden Lernen steht in direkter Relation zum wissenschaftlichen Niveau einer Erstausbildung, welche in dieser Qualität mehr Menschen als bisher zugänglich sein muss. Wohin diese Verkürzung von »Grundkenntnissen« und »Schlüsselqualifikationen« führen kann, soll ein kleines Beispiel aus der RWTH Aachen illustrieren: Der dortige Fachbereich Bauingenieurwesen bietet in Kooperation mit dem Fachbereich Architektur seit dem Wintersemester 2003/2004 einen neuen Masterstudiengang “Facility Management” an. Dieser neue Studiengang soll die Befähigung vermitteln, Bauwerke und Anlagen von der Projektidee über den Bau und seine Finanzierung bis zur Nutzung und zum Betrieb professionell durchzuführen und zu betreuen. Was weder die Aachener, noch die zuständige Akkreditierungs-Agentur gewusst zu haben scheint: In den USA ist ein Facility Manager so etwas wie ein Hausmeister. Ich kann hier also den Master in Hausmeistering machen. Dann bleibt abzuwarten, wann sich der Masterstudiengang „Raumpflege-Management“ etabliert. Schade, dass hier bei der Vermittlung von »Grundkenntnissen« und »Schlüsselqualifikationen« elementare, lebensrelevante Wissensbestände verloren gingen.



Ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben


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