Artikel

Generation Precaire

Sozialpolitik

Jährlich schließen ca. 200.000 junge Menschen ein Hochschulstudium ab. Einschlägige Zeitungsartikel, welche sich schwerpunktmäßig aus Erfahrungsberichten speisen, belegen, dass eine Vielzahl von Jungen Hochschulabsolventen nicht nur während, sondern auch nach dem Studium ein Praktikum oder mehrere Praktika machen. Unter dem Druck dar schwierigen Arbeitsmarktlage gehen die Absolventen oft auf das Angebot von Unternehmen ein,„Praktikantenstellen" anzunehmen.

Sie versprechen sich davon einen Gewinn an praktischen Erfahrungen. Gleichfalls spielt die Aussicht auf einen Einstieg in eine reguläre Erwerbstätigkeit eine wichtige Rolle. Zum Teil werden sie mit Versprechungen auf eine Festanstellung regelrecht gelockt. Nach Ablauf des Praktikums werden jedoch neue Praktikanten eingestellt, ohne dass die bisherigen Praktikanten einen Dauerarbeitsvertrag erhalten. Zumindest die Erfahrungsberichte belegen, dass zahlreiche Hochschulabsolventen regelrechte Praktikalaufbahnen absolvieren, ohne einen Einstieg in eine reguläre Erwerbstätigkeit zu finden. Besonders betroffen sind Medienschaffende, Architektenjuristen, Unternehmensberater, Lehrkräfte im Hochschulbereich und Weiterbildungsinstituten.

Der Schein trügt

Dabei handelt es sich meist um Vollzeit-Praktika, welche sich durchaus über einen längeren Zeitpunkt (mehr als 3 Monate) hinziehen können. Solche Arbeitsplätze werden – wenn überhaupt – extrem unter dem üblichen tarifvertraglich geregelten Gehalt bezahlt. Darauf hätten diese Praktikanten aber einen Anspruch, da sie auf regulären Arbeitsplätzen für Fachkräfte eingesetzt werden und das Unternehmen seinen Kunden auch entsprechende Aufwendungen in Rechnung stellt.

Die Qualität der Praktika in Hinblick auf die Qualifizierungsleistung lässt meist zu wünschen übrig. In dieser Hinsicht könnten solche Praktika zwischen Studium und Beruf als klassische Form eines Übergangsarbeitsmarktes skizziert werden. Dieser Übergangsarbeitsmarkt zeichnet sich durch ein hohes Qualifikationsniveau, flexibelste und mobilste Arbeitszeiten, niedrige Entlohnung und geringe Sozialstandards sowie eine spezifische Form der Prekarltät zwischen Hoffnung auf Anstellung und enttäu-schenden “Warteschleifen” aus.

(Gute) Bezahlung – Fehlanzeige! Falls auf diesem Übergangsarbeitsmarkt überhaupt ein Gehalt gezahlt wird, werden keine (oder nur geringfügige) Steuern oder Sozialversicherungsbeiträge abgeführt. Die Praktikanten erwerben keine Ansprüche in der Sozial- und Rentenversicherung, dem Staat entgehen Einnahmen. Indem der Staat zum Teil den Unterhalt der Praktikanten finanziert, zahlt er sogar noch drauf. Die Hinweise auf Erfahrungsberichte verdeutlichen: Es gibt heute in Deutschland keine genauen Zahlen darüber, wieviele der Absolventen umsonst oder unter-bezahlt in Praktika arbeiten. Sicher ist allerdings, dass der unregulierte Zustand bisheriger Praktikaangebote mittlerweile zum Missbrauch der Arbeitskraft von Hochschulabsolventen führt Dies ist nicht nur für die Betroffenen äußerst prekär, sondern könnte auch Verdrängungsund Vernichtungsprozesse regulärer Arbeitsverhältnisse nach sich ziehen.

Position der DGB-Jugend

Die DGB-Jugend vertritt die Position, dass un- oder unterbezahlte Praktika von Absolventen prekär, wenn nicht sogar sittenwidrig sind. Unter dem Deckmantel von für den Berufseinstieg wichtigen Praktika, landen immer mehr Absolventen in niedrig entlohnten, rechtsfreien und unsicheren Beschäftigungsformen.

Was kann ich tun?

Deshalb hat die DGB-Jugend einen Leitfaden für ein „Faires Praktikum" erarbeitet. Dieser richtet sich an Unternehmen und dient Praktikanten dazu, ein faires Praktikum zu erkennen. Unternehmen, die sich an die Regeln des„Fairen Praktikum" halten, fördern den Nachwuchs und ziehen ambitionierte und gut ausgebildete Talente an. Sie werden von ihren Praktikanten auf der Internetseite der DGB-Jugend an folgende Praktikanten weiterempfohlen.

Helge Kienast (DGB-Jugend)

Die Stärke der Linken kann heute genau in diesen kleinen konkurrierenden Protestgruppen liegen, die an vielen Stellen gleichzeitig aktiv sind, in einer Art von politischer Guerillabewegung im Frieden oder im sogenannten Frieden, aber - und das ist, glaube ich, der wichtigste Punkt - in kleinen Gruppen, die sich auf lokale Aktivitäten konzentrieren und in denen sich das ankündigt, was aller Wahrscheinlichkeit nach die Basisorganisation des libertären Sozialismus sein wird, nämlich kleine Räte von Hand- und Kopfarbeitern - von Sowjets, wenn man dieses Wort noch benutzen kann und nicht daran denkt was mit den Sowjets tatsächlich passiert ist -, etwas, das ich, und das meine ich ganz ernst, als organisierte Spontaneität bezeichnen würde.
(Herbert Marcuse)



Ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben


219 Hintergrundartikel
in 40 Themen

Wähle einen Ort: